Seniorenkantorei Berlin Logo

Singen zum Lobpreis Gottes

10 Jahre
Ökumenische
Seniorenkantorei Berlin

2006 – 2016



Grußwort zum 10-jährigen Jubiläum

Die beiden Träger sind froh, dass es die Okumenische Seniorenkantorei gibt und wünschen ihr zum „1. kleinen Jubiläum” alles Gute und Gottes Segen. Danke, dass Sie das Gotteslob in evangelischen und katholischen Kirchen, in Gottesdienst und Konzert verkünden! Singen ist eine Gabe Gottes: Singen hält jung, Singen schafft Gemeinschaft, Singen hält gesund!
In diesem Sinne: Schön, dass Ihr da seid!

Für das Erzbistum Berlin
gez. Martin Ludwig
Leiter des Referats Kirchenmusik
Für den Evangelischen Kirchenkreis
Berlin-Stadtmitte
gez. KMD Edda Straakholder
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Eine Vision wird Wirklichkeit

Domkapellmeister Michael Witt, der bis 2005 an der St. Hedwigs-Kathedrale wirkte, ging zu Beginn seines Ruhestandes beherzt an die Realisierung seiner Vision: Gründung einer ökumenischen Seniorenkantorei. Schon 2006 ruft er diesen Chor unter dem Namen „Ökumenische Seniorenkantorei Berlin” ins Leben. Wesentliches Anliegen war ihm und bleibt, langjährig chorerfahrenen Menschen eine neue musikalische Heimat zu geben und in Kirchen beider Konfessionen zum Lobpreis Gottes zu singen. Möglich wurde die Gründung durch eine Anschubfinanzierung durch den Landesmusikdirektor Berlin und das Erzbistum Berlin.

Am 12. Januar 2006 war es dann so weit. Die Gründungsmitglieder kamen im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien in der Neuen Grünstraße zusammen und freuten sich auf eine weitere bzw. neue Zusammenarbeit mit Michael Witt. Zur ersten Probe erschienen eine stattliche Zahl ehemaliger Mitglieder des Chores der St. Hedwigs-Kathedrale, der Marienkantorei und der Domkantorei und auch von Chören anderer evangelischer und katholischer Kirchen sowie einige Interssierte aus der gemeinsamen Studienzeit mit Michael Witt in Halle. Neulinge hatten eine kleine Aufnahmeprüfung zu bestehen, und mit einem monatlichen Beitrag von 10€ stand dem Tatendrang nichts mehr im Wege. Es begann eine kontinuierliche, sehr intensive Probenzeit, und es wurde in der Regel einmal im Monat in einem Gottesdienst gesungen. Konzerte sowie eine Chorfahrt waren jedes Jahr Höhepunkte des Chorlebens. Das ehrenamtliche Engagement von Michael Witt war nahezu grenzenlos.

Die stimmliche Situation der Älteren berücksichtigend, wies Michael Witt gleich zu Beginn darauf hin, dass die gängigen Oratorien nicht zum Repertoire des Chores gehören würden.



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Abendmahlsgottesdienst in St. Marien am 6. September 2009 mit DKM Michael Witt

Bei der Probenarbeit wurde allen schnell klar, dass die „kleine” Literatur mehr als das augenblickliche Können der Sängerschar erforderte. Michael Witt war ein gestrenger Chorleiter, dem daran gelegen war, die stimmliche Leistung der Mitglieder zu fördern und das Bestmögliche aus den Sängern herauszulocken. Es gelang ihm, zunächst nicht vorstellbare Leistungen zu entwickeln und den Chor zu einem gern gehörten Klangkörper zu formen. Abzulesen ist das auch an dem sehr umfänglichen, alle Stilepochen umfassenden Repertoire (von Orlando di Lasso bis zu Petr Eben). Die Kantorei musizierte u. a. mit Kammerorchestern und Gesangssolisten und fand in den Medien wiederholt anerkennende Würdigung. Besondere Beziehungen bestanden zur Klosterkirche Neuzelle, in deren Notenarchiv Michael Witt Werke entdeckte, die er für die Seniorenkantorei einrichtete bzw. einrichten wollte. Das waren u. a. die „Vesperae Dominicales” von Johann Georg Schürer sowie die „Missa in D” von Johann Sigismund Grabe.



Da traf alle bis ins Herz der plötzliche Tod unseres Chorleiters Michael Witt am 21. März 2012.

Für den 25. März des Jahres hatte Michael Witt mit dem Chor ein Werk von Carl Heinrich Graun einstudiert, die Passionsmusik „Der Tod Jesu”. Sein Nachfolger im Amt an der St. Hedwigs-Kathedrale, DKM Harald Schmitt, stellte sich in dieser schwierigen Situation spontan zur Verfügung, so dass der Chor dort – wie vorgesehen am 25. März – das Werk gleichsam als Requiem für unseren Chorleiter Michael Witt zur Aufführung brachte. Ergriffen und innerlich bewegt verließen nach Beendigung des Konzerts zunächst der Chor und dann die Konzertbesucher in tiefem Schweigen das bis zum letzten Platz gefüllte Gotteshaus.

Es galt nunmehr, einen neuen Weg zu finden, auf dem der Chor im Sinne seines Gründers weitergeführt werden konnte. Die bereits geplanten Gottesdienste und Konzerte sollten möglichst stattfinden. Aber woher einen Leiter nehmen? In dieser Zeit fand der verwaiste Chor große Unterstützung durch seine Träger und durch Musikerinnen und Musiker, die in der Vergangenheit von Michael Witt in die Chorarbeit einbezogen worden waren. Mehrere Dirigenten stellten sich, trotz eigener Verpflichtungen, für die Weiterführung der Chorarbeit zur Verfügung.

Zur Wahrnehmung der technischen und organisatorischen Aufgaben wurde im April 2012 ein Chorrat gewählt. Die Trägerschaft des Chores war neu zu bestimmen; sie wurde als gemeinsame Aufgabe vom Evangelischen Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte und dem Erzbischöflichen Ordinariat festgeschrieben, deren Vertretern zu verdanken ist, dass die Chorleiterstelle ausgeschrieben werden konnte. Aus dem anschließenden Bewerbungsverfahren ging erfolgreich Kirchenmusikdirektor i.R. Konrad Winkler hervor.



Konrad Winkler wirkte bis zum Beginn seines Ruhestandes in der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Niederschönhausen. Er leitete dort neben unterschiedlichen Kinder- und Jugendchören langjährig auch einen Konzertchor. Seit Januar 2013 ist er Chorleiter der Ökumenischen Seniorenkantorei. Konrad Winkler hatte die schwere Aufgabe, mit dem fest gefügten Ensemble neue, eigene Wege zu gehen und dabei die Tradition zu wahren. Die Chormitglieder standen vor der Herausforderung, sich auf eine neue Persönlichkeit einzulassen. Heute dürfen wir dankbar auf eine kontinuierliche Chorarbeit unter der Leitung von KMD Konrad Winkler zurückblicken.

Konrad Winkler setzte neue Akzente bei der Probenarbeit. Das Einsingen und auch die wöchentlichen Registerproben werden von Chormitgliedern übernommen, die ehemals Kirchenmusiker waren. Die Korrepetition bei den Gesamtproben übernimmt ebenfalls eine Mitsängerin, die bis zum Ruhestand als Kantorin tätig war. Das monatliche Singen in den Gottesdiensten setzt sich fort, und Konrad Winkler sorgte dafür, dass die von Michael Witt in Neuzelle „ausgegrabenen“ Werke unter z.T. maßgeblicher Beteiligung des Musikwissenschaftlers Dr. Bern­hard Schrammek bearbeitet und eingerichtet wurden und unter seinem Dirigat endlich auch erklingen konnten.

Erwähnenswert ist die intensive Begleitung durch den Chorrat, der Sorge dafür trug, dass es im November 2014 zur Verabschiedung einer Chorordnung kam. Last but not least soll das soziale Gefüge nicht unerwähnt bleiben. Für viele Sängerinnen und Sänger ist der wöchentliche Probentermin ein Höhepunkt im alltäglichen Leben, der motivierend und stärkend wirkt, Freude vermittelt und Zusammenhalt in schwierigen Situationen schenkt.

So gerüstet, sehen wir optimistisch in eine sängerische Zukunft der Ökumenischen Seniorenkantorei Berlin.

S.B.



Auf ökumenischen Wegen reich beschenkt

Gottesdienste und kirchenmusikalische Ereignisse

Auf zehn Jahre Chorsingen zurückzublicken bedeutet für die Sängerinnen und Sänger der Ökumenischen Seniorenkantorei nicht nur, dass sie in diesen Jahren stets einsatzbereit waren, sondern auch, dass sie selbst reichlich beschenkt worden sind durch das Kennenlernen der vielfältigen Kirchenlandschaft der Stadt Berlin. Die musikalische Gestaltung von unterschiedlichen Gottesdiensten in evangelischen und katholischen Ortsgemeinden, von Vespern, Konzerten usw. beinhaltete ein reiches Repertoire und ergab als Nebeneffekt — gleichsam als Gratiszugabe, dass die Sängerinnen und Sänger immer wieder Neues für sich entdecken konnten: Kirchen, in denen sie zuvor nie waren und zu denen sie sich allein auch nicht aufgemacht hätten. Diese „Landschaft” ist reich an Stilen und Formen, an städtebaulich interessanten Standorten, an geschichtlichem und religionspolitischem Hintergrund. Darunter sind solche Kirchen, die gut instand gesetzt wurden, solche, die umgestaltet wurden, um sie moderneren Vorstellungen und Gegebenheiten anzupassen, oder auch solche, die noch auf ihre Renovierung warten müssen. Die Zahlen sprechen für sich:

Der Chor sang in 45 (von weit über 300) verschiedenen evangelischen und katholischen Kirchen Berlins, darunter auch einige große Gemeinderäume, die für Gottesdienste genutzt werden. In einem Teil der Kirchen war der Chor wiederholte Male zu Gast. Zu den Höhepunkten zählte auf jeden Fall das Singen in der im gotischen Stil erhaltenen St. Marien-Kirche und im neobarocken Berliner Dom, das Singen in der Bischofskirche des Erzbistums, der St. Hedwigs-Kathedrale, deren Baugestalt am Pantheon Roms orientiert ist und die als erste katholische Kirche Berlins nach der Reformation errichtet wurde, das Singen in modernen Kirchen, wie z.B. in St. Dominicus, wo sich die Gemeinde gleichsam wie in einem Zelt um den Altar versammelt.



Alle Kirchen aufzuzählen würde den Rahmen dieser kleinen Festschrift sprengen.
Zu den stellvertretend für Berlin genannten Kirchen seien noch fünf Kirchen im Berliner Umland hinzugefügt, in denen der Chor – teilweise auch mehrfach – gesungen hat:

Es wurden vom Chor Gedenkveranstaltungen und Gottesdienste im Freien mitgestaltet:

Besondere Höhepunkte der Chorarbeit waren 14 Konzerte, acht Adventsmusiken sowie acht Mal die Mitwirkung bei kirchenmusikalischen Ereignissen in Berlin, z.B. bei ChorModern.
Erwähnt sei, dass auch manch einer der Gottesdienste das Repertoire eines Konzerts aufwies.



So wurde vom Chor 2011 in Neuzelle im Gottesdienst die „Missa ex G“ von Joseph Leiffer – erstmalig seit 250 Jahren dank der Recherchearbeiten von Michael Witt — gesungen, begleitet von alten Instrumenten und aufgezeichnet und direkt übertragen vom Deutschlandfunk.
Stellvertretend für das reiche Repertoire der zehn Jahre, das Kompositionen aller Epochen, angefangen bei der Renaissance, über Barock, Klassik, Romantik bis zum 20. Jahrhundert umfasste, seien einige Oratorien und Messen genannt, die zur Aufführung kamen:

Zwei Voraussetzungen seitens der Chormitglieder ermöglichten die Erarbeitung des umfangreichen Repertoires: Die Zahl der Mitglieder war über die gesamte Zeit nahezu gleichbleibend - heute hat die Ökumenische Seniorenkantorei 66 eingetragene Mitglieder (Sopran 20, Alt 25, Tenor 10, Bass 11). Vor allem war Zuverlässigkeit immer oberstes Prinzip. Ob an Regentagen, bei Kälte oder bei großer Hitze, ob früh am Morgen oder spät am Abend, ob bei Unregelmäßigkeiten im Nahverkehr oder anderen Hindernissen, nichts hielt die Chormitglieder davon ab, zu den etwa 420 Proben, zu den Gottesdiensten und anderen Einsätzen – insgesamt ca. 176 – stets zur Stelle zu sein.



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Konzert mit Magnificat-Kompositionen in Ss. Corpus Christi am 11. Oktober 2014, mit KMD Konrad Winkler

Gemeinsam feiern

Gemeinsam feiern – auch mit Angehörigen – ist zur Tradition des Chores geworden. Stets schloss sich an das Adventskonzert bzw. Adventssingen ein entspanntes Beisammensein an. Ebenso gehörte das alljährliche Sommerfest, mit dem die Sommerpause eingeleitet wurde, zur Tradition des Chores. Der Ruinengarten von St. Michael in Mitte bot dazu mehrfach die malerische Kulisse. Ein unzweifelhafter Höhepunkt war im Sommer 2015 der Ausflug nach Caputh mit einer Dampferfahrt über die Havelseen. Bei diesen Feiern kamen immer wieder verborgene künstlerische und kulinarische Talente der einzelnen Chormitglieder zum Vorschein.



Chorfahrten

Ab 2007 unternahm die Ökumenische Seniorenkantorewi jährlich eine Chorfahrt, jeweils verbunden mit dem musikalischewn Einsatz in einem evangelischen und einem katholischen Gottesdienst. Die neun Chorfahrten führten in folgende Orte:

Allein die sorgfältige Auswahl dieser geschichtlich und kunsthistorisch bedeutenden Ziele machte die Fahrten ausnahmslos zu einem geschätzten Anziehungspunkt im Leben der Ökumenischen Seniorenkantorei. Man könnte sie durchaus auch als kleine Bildungsreisen bezeichnen, denn es blieb jeweils Zeit, sich mit den Sehenswürdigkeiten vor Ort bekannt zu machen. Natürlich waren mit den Fahrten auch die wertvollen geselligen Stunden in der Gemeinschaft verbunden. Alle Einsätze des Chores sind im Internet-Tagebuch der Ökumenischen Seniorenkantorei in der Rubrik Berichte ausführlich beschrieben. (Für die Erstellung des Zahlenmaterials zu diesem Beitrag sei Ilse L. herzlich gedankt.)

M. S.



Steckbrief der Ökumenischen Seniorenkantorei

Was ist eine Seniorenkantorei?

Kurz und bündig die Antwort: Eine Seniorenkantorei ist in erster Linie eine Seniorinnenkantorei – mit Restbeständen an (männlichen) Senioren. Die Damen bestimmen das Erscheinungsbild. Girlandengleich erstrecken sich ihre Reihen bis mitten in den Tenor hinein. Hier ist nun die Tenora zu Hause. Sechs Vertreterinnen dieser Spezies greifen derzeit uns vier „normalen“ Tenören stimmlich unter die Arme. Es mischen sich also Strahlkraft und lyrischer Schmelz mit dem samtenen Timbre der Tenora. Besonders die Bässe sind davon angetan, und sie fühlen sich obendrein in ihrer Meinung bestätigt, dass sie allein die Männerstimmen repräsentieren. Zudem sind die Grenzen im mittleren Bereich fließend. Da schwingt sich schon mal ein (Counter-) Tenor zum Altus auf, während sich im Umkehrschluss die Altistin dem Tenor zuneigt. Zum vollen Einklang im Quartett fehlt nur noch eine Stimme. Ihr Name spricht für sich: Sopran. Das heißt „super“, „über allen“. Auf den obersten Sprossen der (Ton-)Leiter schwebt sie möglichst glockenklar über dem Ensemble. In den luftigen Höhen ist meist der Cantus firmus angesiedelt, und hier werden tonangebend die Weichen gestellt für die Intonationsreinheit. Doch ihr lieben Soprane seid in dem ständigen Bemühen gewissermaßen angeseilt an einen tragfähigen „Unterbau“. So kann dann aus einer „Solisten”-Vereinigung jene Einheit in der Vielfalt entstehen, die zum reinen Akkord verschmilzt, der Herz und Sinne bewegt. Welch lohnende Aufgabe auch im 2. Jahrzehnt der Ökumenischen Seniorenkantorei Berlin. Auf, ihr Freunde, auf und singt, bis es immer besser, immer besser klingt.

H.K.



Was bedeutet für mich die Ökumenische Seniorenkantorei?

Mitglieder äußern sich

Wenn man die 80 längst hinter sich hat, ist es nicht leicht, einen neuen Chor zu finden. Der Leiter des Kammerchores, der 20 Jahre davor meine musikalische Heimat war, hatte aufgegeben. Was nun? Da sprang mich im November 2005 die Zeitungsanzeige an: „Versierte Sänger/innen für einen zu gründenden Seniorenchor gesucht.” Am genannten Termin im Januar 2006 war ich überpünktlich in der Neuen Grünstraße und betrat mit Herrn Witt, den ich noch nicht kannte, gemeinsam als Allererste den Probenraum. So begannen die letzten zehn Jahre! Ich war glücklich. Singen war seit der Kindheit mein Lebenselixier. Inzwischen habe ich viele Chöre kennengelernt, die Ökumenische Seniorenkantorei ist nun mein letzter. Vor allem empfinde ich die Freundlichkeit und Akzeptanz untereinander als Geschenk. Auch bin ich überzeugt, dass Singen in jeder Beziehung eine sehr gesunde Betätigung ist.

Else D. - 94 Jahre (Alt)

Die Seniorenkantorei erfüllt meinen Wunsch, die seit meiner Kindheit in Leipzig gewachsene Liebe zur barocken Kirchenmusik zu vertiefen und selbst zur Ehre Gottes zu singen. Außerdem bringt die Gemeinschaft viel Freude und trägt dazu bei, die manchmal nicht ganz leichten Aufgaben des Alltags besser zu bewältigen. Ich hoffe, dass ich noch lange in dieser Gemeinschaft mitsingen kann und darf.

Monika P. (Sopran)



„Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich.“ Was dieses ökumenische Lied anspricht, habe ich in den letzten 10 Jahren beim Singen in der ÖSK erfahren. Ehemals enge Grenzen zwischen den Konfessionen sind einem unkomplizierten Umgang im Miteinander gewichen. Das gemeinsame Singen in den unterschiedlichsten Kirchen und auch manche Interkommunion hat die spirituelle Gemeinschaft gestärkt. Die ÖSK ist ein wichtiges Signal für das Zusammenwachsen in unserer Stadt. Ich bin dankbar, in dieser ganz besonderen Chorgemeinschaft mitsingen zu können.

Verena J. (Tenor)

Es ist eine wichtige Erfahrung, etwas nicht allein machen zu müssen, auch nicht allein machen zu können, sondern nur in der Gemeinschaft, zusammen mit anderen. Es ist wunderschön, sich in die Musik hineinzubegeben, sich in ihr bergen zu lassen. Für uns ist zudem sehr stimmig, dass wir vornehmlich zur festlichen Gestaltung von Gottesdiensten singen. Immer wieder singen wir in je anderer Vertonung „Kyrie” und „Gloria“ und die Bitte „Dona nobis pacem”. Wichtigeres ist nicht zu sagen und zu singen. Das dürfen wir tun im Kreis von betagten Menschen, die wie wir mit ihren Kräften haushalten müssen und sie doch noch auch dafür einsetzen, dass der Lobpreis Gottes erklingt. Das berührt und ist schön.

Beate u. Lothar W. (Tenor)

Michael Witt hatte die Seniorenkantorei gerade zu der Zeit gegründet, als ich 2006 wegen meines Alters aus dem Bachchor an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche freiwillig ausscheiden wollte. Ein Hinweis machte mich auf den Gottesdienst am Ostermontag 2006 in der St. Marienkirche aufmerksam, der von der Ökumenischen Seniorenkantorei ausgestaltet werden sollte. Als ich Mozarts Missa brevis d-Moll (KV 65) von diesem Chor dargeboten hörte, wusste ich sofort: Hier möchte ich künftig singen. Ich freue mich sehr darüber, weiterhin am Berliner Musikleben aktiv teilzunehmen. Hier habe ich auch neue Freunde gewonnen, hier erlebe ich ökumenische Gemeinsamkeit als vollkommen selbstverständlich.

Johanna R. (Sopran



Im September 2007 (also bald nach der Gründung des Chores) wurde ich Mitglied dieses außergewöhnlichen Zusammenschlusses von erfahrenen älteren Chorsängerinnen und -sängern. Als außergewöhnlich erscheint mir die Aufgabe, Gottesdienste im evangelischen und katholischen Raum mitzugestalten. Mir scheint, dass alle dies immer wieder mit Freude tun. Für mich geschieht das mit den Worten Johann Sebastian Bachs S(oli) D(eo) G(loria) (dem alleinigen Gott die Ehre). Ich bin glücklich und dankbar, dass mir diese Möglichkeit eröffnet wurde, mich nach meinem Zuzug nach Berlin in dieser Chorgemeinschaft einbringen zu können. Wo Menschen zusammenkommen, gibt es auch Probleme, teilweise berechtigt und auch m.E. nicht berechtigt aus der Überbetonung der eigenen Individualität heraus. Ich versuche in guter Gesellschaft mit anderen Chormitgliedern solche Probleme gelassen zu betrachten und, wenn möglich, bei deren Lösung mitzuhelfen.

Dorothee R. (Tenor)

Als ich zu Beginn des Jahres 2006 von der Gründung der Ökumenischen Seniorenkantore; hörte, fand ich die idee so gut, dass ich mich gleich angemeldet habe und die Entscheidung bis heute nicht bereue. Begonnen habe ich mit dem Singen im Schülerchor und es später mit Freude in Kirchenchören fortgesetzt. Es gefällt mir, diese Freude heute in Gottesdiensten, Aufführungen oder während der Chorprobe an andere weiterzugeben. Immer wieder überrascht es mich, wie nach dem Einstudieren neuer Werke aus unseren alten Stimmen ein schöner Gesamtklang entsteht. Während des Singens werden aufkeimende Sorgen kleın. Der gedankliche Austausch mit Gleichgesinnten ın der chorischen Gemeinschaft ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt Aspekt.

Jürgen v. Sch. (Bass)



Wir gedenken der Heimgegangenen

In die Ewigkeit vorausgegangen sind:

Sie werden denen, die sie kannten, in guter Erinnerung bleiben.

Ach Herr, lass dein lieb Engelein
Am letzten End die Seele mein
In Abrahams Schoß tragen,
Den Leib in seim Schlafkämmerlein
Gar sanft ohn eigne Qual und Pein
Ruhn bis am jüngsten Tage!
Alsdenn vom Tod erwecke mich,
Dass meine Augen sehen dich
In aller Freud, O Gottes Sohn,
Mein Heiland und Genadenthron!
Herr Jesu Christ, erhöre mich,
Ich will dich preisen ewiglich!

J. S. Bach, Johannes-Passion, Choral



Brief der Vertreter der Träger der ökumenischen Seniorenkantorei (ÖSK) zum 10-jährigen Jubiläum

Lieber Konrad, lieber Herr Schmidt, liebe Mitglieder des Chorrates, vor allem aber liebe Sängerinnen und Sänger in der Ökumenischen Seniorenkantorei!
Doch schon wieder 10 Jahre seit Gründung der Ökumenischen Seniorenkantorei! Es war wohl die Idee des Kirchenkreises Berlin. Stadtmitte, so jedenfalls hat es mir Herr Witt aus einer Sitzung der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker Berlin-Stadtmitte berichtet.
Damit ist bereits der Name gefallen, Michael Witt, der als Gründer und erster Leiter der Ökumenischen Seniorenkantorei Stimme und Profil gegeben hat. Als Domkapellmeister war er ja 2005 nach 30-jähriger Tätigkeit an der St. Hedwigs-Kathedrale gerade in den Ruhestand getreten.
Unter seiner Leitung entwickelte sich die ÖSK zu einem qualitativ und quantitativ beachtlichen Klangkörper, und das ist bis heute so geblieben. Als Michael Witt am 21. März 2012 völlig unerwartet starb, war das auch für die ÖSK eine Katastrophe. Wie sollte es weitergehen?
Nach einer von Freunden und Wohltätern begleiteten Übergangszeit wurde allen Beteiligten klar, wie schwierig eine Nachfolgeregelung werden würde: Herr Witt hatte ehrenamtlich gearbeitet, in St. Hedwig standen ihm sowohl das Notenarchiv wie das ehemalige Büro unentgeltlich zur Verfügung. Das war nun wirklich keine tragfähige Arbeitsgrundlage für einen Nachfolger, der ja dringend benötigt wurde.



Zunächst gelang es, im ökumenischen Miteinander eine Anstellungs- und Ausstattungsgrundlage zwischen dem Evangelischen Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte und dem Erzbischöflichen Ordinariat zu schaffen und es gelang; auch, einen geeigneten Nachfolger zu finden, der gerade nach jahrzehntelanger kirchenmusikalischer Tätigkeit in Berlin-Niederschönhausen in den Ruhestand getreten war (auch bei ihm hieß i.R. in Reichweite): KMD Konrad Winkler. Er übernahm die ÖSK - sie hatte ihn mit großer Mehrheit im Dezember 2012 aus drei Kandidaten gewählt - Anfang 2013, also ein Dreivierteljahr nach Herrn Witts Tod.
In den zurückliegenden Monaten ohne feste Chorleitung hatte sich die ÖSK zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit eine selbstständige Struktur gegeben, die hatte sich bewährt und sollte beibehalten werden. Wie nicht anders zu erwarten, traten im Laufe des Jahres 2013 mit Konrad Winkler einige Unstimmigkeiten auf, nicht zuletzt, weil es anders als unter Herrn Witt nun verschiedentliche Verantwortlichkeiten einschließlich der zwei offiziellen Träger gab. Nach gründlicher Diskussion unter allen Beteiligten wurde Ende 2014 eine Chorordnung beschlossen, die die jeweiligen Zuständigkeiten verbindlich regelt. Dieser strukturelle Schritt hat der Seniorenkantorei gut getan. Bis 2012 konnte sie sich blind auf ihre Vaterfigur verlassen, danach ist sie zur selbstständigen und selbstbewussten Institution erwachsen. Die Mitgliederzahl laut Liste ist beachtlich, das Arbeitsklima gut.
Es waren zehn bewegte und bewegende Jahre, und wir wollten sie zu diesem Anlass aus der externen Sicht der Träger etwas ausführlicher schildern. Diese Jahre waren wichtige Jahre, die die ÖSK auch weiterhin prägen mögen.

(Im Original folgt hier das Grußwort, das an den Anfang der Festschrift gestellt wurde.)



Dank

Die Sängerinnen und Sänger des Chores bedanken sich bei allen, die den Chor geprägt und begleitet haben.



Die zehn Gebote für die
Ökumenische Seniorenkantorei

  1. Ich bin die Ökumenische Seniorenkantorei. Du sollst keine anderen Chöre haben neben mir.

  2. Du sollst den Namen der Ökumenischen Seniorenkantorei nicht unnützlich führen, sondern froh sein, dass es sie überhaupt gibt.

  3. Du sollst den Probentag heiligen und dir nichts anderes vornehmen für diesen Nachmittag bis Abend.

  4. Du sollst Chorrat und Dirigenten wie Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe und du lange singest in der Ökumenischen Seniorenkantorei.

  5. Du sollst nicht töten in dir die Begeisterung für den Chorgesang.

  6. Du sollst nicht eher brechen mit der Ökumenischen Seniorenkantorei, als bis deine Stimme endgültig verstummt.

  7. Du sollst nicht stehlen die kostbaren Minuten der Probenzeit, sondern pünktlich erscheinen, damit man rechtzeitig beginnen kann.

  8. Du sollst nicht falsche Töne singen neben deinem Nächsten.

  9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Neuigkeiten unbedingt während der Probe zu erfahren, denn durch Schwatzen erschwerst du die Arbeit des Dirigenten.

  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Notenblätter, Mappe, Stuhl oder alles, was sein ist.

Bearbeitet von J.Th.

Bild Seite 19 der Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum

Gott achtet mich, wenn ich arbeite,
aber er liebt mich, wenn ich singe.
» Rabindranath Tagore «