Tagebuch 2019

Die Tagebücher der Jahre 2006 - 2018 finden Sie im Archiv.

27. Januar 2019, Heilige Messe in St. Mauritius, Berlin-Lichtenberg

Am 3. Sonntag im Jahreskreis (letzter Sonntag nach Epiphanias) war die Ökumenische Seniorenkantorei unter Leitung von KMD Konrad Winkler wieder einmal zur Mitfeier und Mitgestaltung des Sonntagsgottesdienstes in die St. Mauritius-Kirche gekommen. Die Hl. Messe begann mit einem festlichen Einzug in die mit vielen Blumen und auch noch mit dem Weihnachtsbaum geschmückte Kirche. Gemeindepfarrer Msgr. Winfried Onizazuk wurde von einer großen Gruppe Messdiener begleitet und Organist Ralph Fischer spielte das prachtvoll klingende Menuett II aus der Feuerwerksmusik (1748, HWV 351) von G. F. Händel. In seiner Begrüßung erinnerte Pfarrer Onizazuk an Katastrophen und Ereignisse der letzten Zeit und nahm die Menschen „draußen" mit hinein in das Gebet.

Der Chor sang aus der Missa ne timeas Maria (für gemischten Chor a cappella) von Giovanni Giacomo Gastoldi (1550-1622):
Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei.
Zur Kommunion sang der Chor Tochter Zion, freue dich (G. F. Händel, 1747).
Im Wechsel mit der Gemeinde wurden Gelobet seist du, Jesus Christ (T: M. Luther, Chorsatz: K. Winkler, 2016) und Wir glauben Gott im höchsten Thron (Melodie: Christian Lahusen, vor 1945; Chorsatz: K. Winkler, 2019) gesungen.

Pfarrer W. Onizazuk bezog sich in seiner Predigt auf die Lesung aus Nehemia 8,2-4a. 5-6.8-10. und auf das Evangelium aus Lukas 1,1-4; 4,14-21. Im Evangelium beschreibt Lukas den bewegenden Moment, als Jesus, nachdem er in der Synagoge aus der Buchrolle des Propheten Jesaja vorgelesen hat, diese schließt und sagt: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt." Durch die Botschaft Jesu geschieht Verwandlung, sie ist für unser Leben Gegenwart und Ermutigung.

Bei den Fürbitten wurde u.a. an die gerade zu Ende gegangene Gebetswoche für die Einheit der Christen und ihr Anliegen, dass die Kirchen eine gemeinsame geistliche Mitte finden mögen, erinnert.

In das festliche Morgenlob dieses Gottesdienstes fügte sich das Orgelnachspiel ergänzend ein: Rigoudon von dem französischen Komponisten André Campra (1660-1744).

Der Chor dankt für die eigens für die Seniorenkantorei gesammelte Türkollekte und für die vorbereiteten warmen Getränke nach der Hl. Messe.

M.S.

24. Februar 2019, Gottesdienst in der St. Marien, Berlin-Mitte

Am Sonntag Sexagesimae (noch etwa 60 Tage sind es bis Ostern) war die Ökumenische Seniorenkantorei unter Leitung von KMD Konrad Winkler eingeladen, den Gottesdienst in St. Marien musikalisch mitzugestalten. Pfarrerin Cordula Machoni hieß die Gemeinde herzlich willkommen und erinnerte daran, dass die Zeit des Zugehens auf Ostern begonnen hat.

Der Chor sang aus der
Missa ne timeas Maria (für gemischten Chor a cappella) von Giovanni Giacomo Gastoldi (1550-1622): Kyrie, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei.

Der Gottesdienst war inhaltlich geprägt durch die Taufe eines jungen Mannes. Die eindrucksvolle Taufzeremonie fand ihren Abschluss in dem Lied Gott hat das erste Wort, das der Chor im Wechsel mit der Gemeinde sang (Melodie: Gerhard Kremer, Chorsatz: Konrad Winkler, 2019). „In seinen starken Händen liegt Ursprung, Ziel und Sinn" - so die letzte Zeile des Liedes.
Zur Thematik passend predigte Pfarrer Gregor Hohberg über die Purpurhändlerin Lydia aus der Stadt Thyria, die sich mit „ihrem Haus" taufen ließ (Apg 16, 2-15). Lydia ließ sich von Gottes Wort in die Verantwortung nehmen, die Taufe war erst der Beginn ihres religiösen Lebens. Das gilt heute ebenso für jeden, der sich vom Wort motivieren und sich taufen lässt. Aber das Wort allein genügt nicht - es braucht die Begegnung und den Austausch mit anderen Menschen. –

Zum Abendmahl sang der Chor die Motette Mein Gott, der du hoch bauest (Satz: Paul Becker, 1659).
Organist Martin Dirnberger begleitete Chor und Gemeindegesang und spielte zum Abschluss Te Deum (Tempo di Marcia) von Aloÿs Claussmann (1850-1926). Durch sein beschwingtes, fast zum Tanzen einladendes Spiel erwies Dirnberger der Frühlingssonne, die den Kirchenraum füllte, alle Ehre. Es ist jedes Mal eine Freude zu spüren, wie sich in der Weite und Höhe des gotischen Gewölbes von St. Marien die Töne von Gesang und Orgel entfalten können.

M.S.

31. März 2019, Gottesdienst mit Abendmahl im Berliner Dom, Berlin-Mitte

Am Sonntag Laetare leitete Organist Jonas Sandmeier mit seinem freudigen Spiel der Choralbearbeitung von Von Gott will ich nicht lassen, BWV 685, den Gottesdienst musikalisch ein und Pfarrer Michael Kösling führte mit dem Wochenspruch "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt" (Johannes 12,24) hin zur Liturgie. Er begrüßte die Gemeinde und die Ökumenische Seniorenkantorei mit ihrem Leiter KMD Konrad Winkler, die von der Orgelempore aus mit folgenden Beiträgen die Abendmahlsfeier begleitete:

Introitus Laetare (Psalm 84, 6-8.12) und Antiphon (Jesaja 66, 10-12); Kyrie, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei aus "Missa Princeps Pacis" von William Lloyd Webber (1914 – 1982), an der Orgel begleitet von J. Sandmeier; Jesu, meine Freude (Weise und Satz: Johann Crüger, 1653) - im Wechsel mit der Gemeinde;
Wenn das Weizenkorn … (Motette zum Sonntag Laetare, Satz: Konrad Winkler, 1992). Der Chor sang die Motette im Anschluss an das Evangelium aus Johannes 12, 20-24, wodurch das gesprochene Wort der Verkündigung seine unmittelbare Fortsetzung fand.

Domprediger Kösling sprach über Johannes 6, 47-51, über das "Brot des Lebens". Eindrucksvoll schilderte er, wie sich der heutige Mensch um das tägliche Brot ‚abrackert in einer Welt zwischen Fettleibigkeit und millionenfachem Hungertod'. Die Kinder sagen uns, dass es so nicht weitergehen kann. Und er fragte danach, wie ernst nehmen wir es, dass Jesus sagt, er wolle uns das "Brot des Lebens" geben? Von diesem Brot zu kosten würde in der Konsequenz bedeuten, unser Verhältnis zur Welt zu verändern. Das Schicksal von Menschen, Tieren und Pflanzen ließe uns nicht mehr unberührt, wir würden reagieren und anderen das Leben gönnen, damit die Welt weiterleben kann.

Diese Gedanken wurden in dem von der Gemeinde gesungenen Lied Du bist das Brot, das den Hunger stillt aufgenommen. Zum Abschluss der Gottesdienstfeier brachte Jonas Sandmeier die Choralbearbeitung von Jesu, meine Freude von Johann Peter Kellner (1705 - 1772) zu Gehör.

Die kalte, frühe Morgenstunde - in der Nacht waren die Uhren auf die Sommerzeit umgestellt worden - war durch das Gemeinschaftserlebnis von Gebet, Chor- und Gemeindegesang, Schriftwort und Orgelspiel fast vergessen, bis uns beim Hinausgehen ein eisiger Wind auf den Stufen des Berliner Doms empfing.

M.S.

28. April 2019, Heilige Messe in St. Dominicus, Berlin-Gropiusstadt

Am ersten Sonntag nach Ostern, dem Weißen Sonntag (die Neugetauften trugen bis zu diesem Tag ihre weißen Taufgewänder), sang die Ökumenische Seniorenkantorei unter Leitung von KMD Konrad Winkler im 11-Uhr-Gottesdienst in St. Dominicus. Vorausgegangen war dort der Familiengottesdienst. Daher feierte Pfarrer i.R. Joachim Kucklick nur mit einer kleineren Schar von Gläubigen die heilige Messe. In dem einladenden, hellen, runden Kirchenbau hängt seit Ende 2018 über dem Altar, in der Kuppel, ein Lichtkreuz, das der Künstler Ludger Hinse (geb. 1948) eigens für diesen Raum geschaffen hat. Es bewegt sich, es bekommt Licht durch die Glaskuppel und den Leuchter in der Kirche. Dadurch entsteht ein Farbspiel und die Blicke werden nach oben – zum Himmel – gelenkt. So wird das Kreuz zum Zeichen der Hoffnung, es weist hin auf etwas, das über den Tod hinausgeht. Vor einem Jahr sahen wir ein solches Lichtkreuz in St. Hedwig. Man bezeichnet ein Lichtkreuz auch als Himmelsleiter. Es ist in der Tat ein österliches Zeichen!

Während der heiligen Messe sang der Chor aus „Missa Princeps Pacis“ (Friedefürst-Messe) von
W. Lloyd Webber (1914 – 1982): Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei;
die Motette „Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn …“ (Satz K. Winkler, 1991);
das Lied „Zu dieser österlichen Zeit“ (Satz J. Eccard, 1553 – 1611). Chor und Gemeindegesang wurden an der Orgel von Ulrich  Wünschel begleitet.

Pfarrer Kucklick predigte über den Evangeliumstext Johannes 20, 19-31, der von den Erscheinungen Jesu vor den Jüngern berichtet. So wie der Auferstandene in die Gemeinschaft der Jünger kam, wie er sich dem zweifelnden Thomas einzeln zuwandte, so ist auch für uns die Gemeinschaft mit den anderen und die Zuwendung zu dem Einzelnen wichtig. Der Auferstandene möchte, dass wir uns von ihm „berühren“ lassen. Dann wird es möglich sein, zu vergeben und Frieden zu schaffen.

Im wahrsten Sinne ungewöhnlich gestaltete sich der musikalische Abschluss der Messe. K. Winkler ging auf den Vorschlag von U. Wünschel ein, dass der Chor nach dem Segen noch einmal das Gloria singen möge. Nicht nur der Chorleiter, sondern auch die meisten Sängerinnen und Sänger reagierten im ersten Moment – ähnlich wie Thomas – etwas „ungläubig“, doch dann erfüllte das Lob Gottes erneut den Raum und erfreute die noch anwesenden Zuhörer.

M.S.

19. Mai 2019, Chorfest in der St. Johanniskirche, Berlin-Tiergarten

SINGT! 600 Stimmen - 16 Chöre – 1 Abend (17.00 -21.00 Uhr) – so lautete das Motto des Chorereignisses an diesem Sonntag. Interpreten der Veranstaltung waren Kantoreien des Evangelischen Kirchenkreises Stadtmitte, zu denen auch die Ökumenische Seniorenkantorei zählt. Pfarrer Sascha Gebauer begrüßte zu Beginn die schon anwesenden Mitwirkenden und Zuhörer und erinnerte daran, dass dieses Konzert in einer 20jährigen Tradition steht – bisher aber an anderem Ort stattgefunden hat. Die St. Johanniskirche hat eine gute Akustik und bietet Raum für mehrchörige Stücke, da jeweils rechts und links eine Empore zur Verfügung steht. Das kam an diesem Nachmittag wiederholt zur Geltung. Kantor Reinhard Eggers schlug vor gemeinsam zu beginnen und stimmte den Kanon: Viva, viva la musica … an.

Die ersten beiden Beiträge kamen vom Chor der St. Thomas-Kirche unter Leitung von Kantor Manfred Maibauer.

Unter der Leitung von KMD Konrad Winkler sangen der Chor von St. Thomas und die Ökumenische Seniorenkantorei Berlin gemeinsam aus der MISSA NE TIMEAS MARIA für gemischten Chor a cappella von Giovanni Giacomo Gastoldi (1550 – 1622): Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei.

Die Kirche füllte sich nach und nach. Die Chöre wechselten einander ab und infolgedessen auch die Zuhörer. Um 21.00 Uhr war ein gemeinsamer Abschluss vorgesehen für alle, die den „langen Atem“ behalten würden.

M.S.

4. Juni 2019, Konzert in der St. Marienkirche, Berlin-Mitte

In diesem Konzert zum Ausklang und als Abschluss des Probenjahres 2018/2019 erklangen unter der Leitung von KMD Konrad Winkler Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Die Ökumenische Seniorenkantorei Berlin wurde von einem Orchester mit historischen Instrumenten begleitet.

Auf dem Programm standen:
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
- Was mein Gott will, das g'scheh allzeit BWV 111
- Was Gott tut, das ist wohl getan BWV 98
- Ich bin vergnügt mit meinem Glücke BWV 84
- Ich armer Mensch, ich Sündenknecht BWV 55

Georg Friedrich Händel (1685 – 1759)
- Ich will dich erhöhen HWV 250b

Die Solisten in diesem Konzert waren:
Kathleen Danke – Sopran
Irene Schneider – Alt
Volker Nietzke – Tenor
Tobias Müller-Kopp – Bariton
Tobias Hammer – Bass
An der Orgel begleitete Andreas Wenske.

An diesem sommerlich heißen Abend hatte sich eine gar nicht so kleine Schar aufgemacht, um in der hellen gotischen Marienkirche den aus dem reichen Kantatenschatz der beiden Komponisten des Barock ausgewählten Werken zu lauschen.
Lothar Wittkopf, Pfarrer i.R. und Mitglied der Seniorenkantorei, stimmte wie so oft die Besucher mit seinen Willkommensworten ein und wies darauf hin, dass alle Werke Gebete zum Lobe Gottes ausdrücken.
Als Höhepunkt der vier sehr unterschiedlichen Bachkantaten erwies sich die Solokantate „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke?, in der Sopranistin und Oboistin wunderbar harmonierten.

Mit Händels vielstimmigem Anthem mit Versen aus mehreren Psalmen klang das Konzert aus.
Publikum, Kantor und Chor dankten den Solisten und Instrumentalisten, die klangschön und sicher zum guten Gelingen der Musik beigetragen haben.

C.W.

14. – 15. September 2019, Chorfahrt nach Görlitz

Samstag, 14.09.2019 Probe in der Ev. Stadtkirche St. Peter und Paul (Peterskirche) zu Görlitz
Sonntag, 15.09.2019 Heilige Messe in der Klosterkirche St. Marienthal
Orgel • Punkt 12 in der Peterskirche Görlitz

2019-09-14_Goerlitz
Blick ¨ber die Neiße

Es ging schon früh los: Abfahrt 7 Uhr, denn wir mussten um 11 Uhr in Görlitz zur Probe in der Peterskirche sein. In der Klosterstraße stand allerdings nicht der vertraute gelbe Wiegmann-Bus. Thomas Wiegmann hatte sich eine Verletzung zugezogen und konnte nicht fahren. Wir starteten also in einem weißen Bus mit funktionierendem WC und WLAN, aber ohne Kaffeeversorgung. Der Fahrer Axel fuhr unsere trotz früher Stunde muntere Gesellschaft ruhig und unbeeindruckt von Umfragen wie „Pause machen oder durchfahren?“ oder „Halt vorm Park Pückler-Muskau oder nicht?“ über Autobahn und Bundesstraßen in abwechslungsreicher Landschaft nach Görlitz. Da wir uns geeinigt hatten durchzufahren, war dann dort bequem Zeit, den Berg zur Peterskirche übers Görlitzer Kopfsteinpflaster zu erklimmen.

Die Peterskirche, in der Zeit der Gotik zu einer fünfschiffigen Hallenkirche umgebaut, ist eine der größten ihrer Art in Sachsen und thront hoch über der Neiße. Sie wäre eine eigene Betrachtung wert. Wir begaben uns jedoch stracks auf die Empore, um dort vor der berühmten Sonnenorgel Platz bzw. Aufstellung zu nehmen und mit dem Organisten und Kantor der Gemeinde, KMD Reinhard Seeliger, William Lloyd Webbers „Missa Princeps Pacis“ durchzuprobieren. Da Reinhard Seeliger uns am Sonntag auch in der Klosterkirche Marienthal begleiten würde, übten wir zusätzlich die Lieder für die Messe: „Mein Gott, der du hoch bauest“ von Paul Becker und, im Satz von Konrad Winkler, „Gott hat das erste Wort?, sowie für den Wechselgesang mit der Gemeinde „Solang es Menschen gibt auf Erden“ und das Glaubenslied von Christian Lahusen jeweils auch in Sätzen von Konrad Winkler.

Die Kantorei war im Jahr 2008 schon einmal in der Gegend. Ostritz und Görlitz waren damals die Ziele, und es gibt mindestens zwei Berührungspunkte zu unserer Fahrt in diesem Jahr: 2008 war der Organist im Sonntagsgottesdienst der Peterskirche Reinhard Seeliger, und es wurde das Glaubenslied von C. Lahusen gesungen.

Nach der Probe war freie Zeit für Görlitz angesagt. Mittagessen auf der polnischen Seite, Gang durch die Stadt mit Johanna, Heiliges Grab oder Schlesisches Museum – das gute Wetter machte alles möglich. Um 16 Uhr fuhren wir ins Kloster St. Marienthal.

2019-09-14_Kloster_Marienthal
Zisterzienser Kloster St. Marienthal

Wir kamen im Gästehaus „St. Franziskus“ in hellen, einfach und praktisch eingerichteten Zimmern unter. Eine halbe Stunde vor dem Abendbrot führte uns Herr Blaschke vom Begegnungszentrum in groben Zügen in die äußerst spannende Geschichte des weitläufigen Klosters ein. Es ist das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland, das seit seiner Gründung im Jahre 1234 bis heute ununterbrochen besteht. Die Zisterzienserinnen verstehen das Kloster als Ort der Begegnung mit Gott. Diese Begegnung vollzieht sich in der Stille, im Gebet, in der Arbeit und in der Gemeinschaft. In Marienthal leben zur Zeit 10 Schwestern. Die Äbtissin – derzeit Elisabeth Vaterodt – ist die Vorsteherin des Konvents und geistlich gesehen die Stellvertreterin Christi im Kloster.

Für uns war es interessant, etwas über das Internationale Begegnungszentrum zu erfahren. Es wurde 1992 von den Schwestern gegründet. Als Ort der Versöhnung und Völkerverständigung im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechien ist es zu einer lebendigen Einrichtung für auch größere Gruppen geworden. Wir waren als Gäste des Begegnungszentrums in Marienthal untergebracht. Dass dieses ein eigenständiges Unternehmen ist und keine direkte Verbindung zum eigentlichen Kloster hat, musste unser Chorleiter leidvoll erfahren. Es dauerte lange, bis er die Äbtissin, die ihn in die Gegebenheiten in der Kirche und den Ablauf der Messe einweisen wollte, erreichte. Ein sehr weltliches Problem gab es nämlich zusätzlich: wir befanden uns in einem Funkloch.
Nach einem reichhaltigen Abendbrotbuffet hatten wir einen eigenen Raum für uns und konnten dort den Tag gesellig ausklingen lassen.

Die Hl Messe am Sonntag begann um 9 Uhr, da hieß es früh aufstehen. Einsingen 8:15 Uhr. Auf der Empore erwartete uns prächtiges Chorgestühl, wenn auch in uns ungewohnter Anordnung: Sopran und Tenor in langer Reihe gegenüber Alt und Bass, der Chorleiter dazwischen und der Orgelspieltisch am Anfang der Reihe der Soprane. Jeder hatte einen Platz für sich, und es sang sich überraschend gut!
Zu Beginn der Messe erklang Paul Beckers „Mein Gott, der du hoch bauest“, das Ordinarium war die „Missa Princeps Pacis“ von William L. Webber, dazu das im Wechsel mit der Gemeinde gesungene Glaubenslied von C. Lahusen. Auch im Wechsel mit der Gemeinde erklang „Solang es Menschen gibt auf Erden“ und zur Kommunion sangen wir „Gott hat das erste Wort“. Da die Klostergemeinde an diesem Sonntag das Kirchweihfest feierte, galt die Predigt der Kirche sowohl als Bau- und Kunstwerk, das seine Anziehungskraft für viele bis heute nicht verloren hat, als auch und vor allem als die Stätte „wo Jesus lebt“, wo wir über Gott nachdenken, mit Gott feiern, wo wir danken, bitten, Geborgenheit finden.
Nach diesem stimmungsvollen Gottesdienst ging es mit Sack und Pack wieder nach Görlitz. Fotoshooting draußen auf der Treppe vor der Peterskirche, drinnen mit dem Hintergrund der Sonnenorgel.
Diese Orgel bildete dann auch den Mittelpunkt der folgenden Stunde. Orgel • Punkt 12 heißt die an mehreren Tagen der Woche stattfindende Veranstaltung. Hier wird die Geschichte der Sonnenorgel, vorgetragen von Ruth-Andrea Lammert unten im Kirchenschiff, im Wechsel mit der Orgel erzählt: Die ursprüngliche Orgel von 1703 stammte von Eugenio Casparini und wurde berühmt durch die den Prospekt bestimmenden 17 „Sonnen“: gleich lange Pfeifen sind strahlenförmig um eine Sonne angeordnet. 12 dieser Sonnen klingen und bilden ein Pedalregister. Der Prospekt überdauerte die Jahrhunderte, die Orgel – mehrfach umgebaut und ersetzt – nicht. Nach Sanierung von Kirche und Orgelprospekt 1980 - 1992 beschloss die Gemeinde, eine neue Orgel bauen zu lassen. Die drei Bauabschnitte der neuen Mathis-Orgel wurden dem Publikum (und uns) vorgestellt und mit wunderbaren Klangbeispielen erläutert, dargeboten von Reinhard Seeliger. Den ersten Bauabschnitt mit Hauptwerk, Oberwerk, Brustwerk und Pedal repräsentierte J. S. Bachs Toccata d-moll. Als ältestes erhaltenes Register hörten wir die Unda Maris in einer italienischen Elevations-Toccata. Zwischen Darstellung des ersten und des zweiten Bauabschnitts hatten wir als Gäste unseren Platz und trugen die „Missa Princeps Pacis“ als Gesamtwerk vor. Im zweiten Bauabschnitt wurden die „Sonnen“ wieder spielbar gemacht. Das Pedalsolo aus Bachs Toccata C-Dur war ein eindrucksvolles Beispiel für deren Klang. Beim Spiel des Chorals „Lobe den Herren“ mit Melodie im Pedal sangen alle mit. Choral und Variationen waren eine Kombination J.G.Walther / J.S.Bach. Der dritte Bauabschnitt beinhaltete den Einbau eines Schwellwerks. Mit der Vorführung von Schwellwerk, den besonderen Registern Vogelgezwitscher, Nachtigall, Kuckuck und Trommel sowie des Zimbelsterns erkor sich R. Seeliger als wendige und unerschrockene Registrantin Ute – ein besonderes Vergnügen nicht nur für sie, sondern auch für uns alle! Den krönenden Abschluss bildete die Toccata aus Charles-Marie Widors 5. Orgelsinfonie. Das begeisterte Publikum erzwang eine Zugabe: Liedvariationen, die noch einmal Vogelstimmen und Zimbelstern, natürlich mit Utes Beistand, erklingen ließen. Erfüllt von Orgelklängen verließen wir die Kirche, streiften noch einmal durch Görlitz, vorzugsweise um Mittag zu essen und begaben uns eine halbe Stunde früher als geplant auf die Heimreise.

Im Bus dankte Konrad Winkler allen, die zum guten Gelingen dieser Chorfahrt beigetragen haben, namentlich Jutta, Harald und nicht zuletzt unserem Fahrer Axel. Und wir wiederum danken unserem Chorleiter Konrad Winkler dafür, dass er uns mit seinem Einsatz diese Fahrt ermöglichte.

Ch.W.

20. Oktober 2019, Musikalische Vesper Französische Friedrichstadtkirche Gendarmenmarkt, Berlin-Mitte

An diesem milden, sonnigen Herbst-Sonntag haben sich die Chorsängerinnen und Chorsänger gern auf den Weg gemacht, um am Nachmittag, 16:00 Uhr, die musikalische Vesper mitzugestalten.

Liturg der Vesper war Pfarrer Dr. Jürgen Kaiser, Pastor der Französischen Kirche zu Berlin, einer Personalgemeinde der französisch-reformierten Hugenotten. An der Eule-Orgel spielte KMD Kilian Nauhaus.

Die Ökumenische Seniorenkantorei Berlin unter Leitung von KMD Konrad Winkler sang im Wechsel mit den von K. Nauhaus interpretierten Orgelstücken aus der Missa „Princeps Pacis“ von William Lloyd Webber (1914–1982) und leitete die Vesper mit dem Kyrie ein.

Pfarrer J. Kaiser begrüßte alle Anwesenden und las Die zehn Worte der Weisung (zehn Gebote), die entsprechend der französisch-reformierten Tradition jeden Sonntag im Gottesdienst nach Exodus (2. Mose) 20 gelesen werden.

Gemeinde und Chor sangen im Wechsel das Lied Solang es Menschen gibt auf Erden (Melodie: Tera de Marez Oyens, Chorsatz: K. Winkler).

Die meditative Andacht wurde fortgeführt durch die Kompositionen von:

Georg Böhm (1661–1733): Vierzehn Variationen für Orgel über das geistliche Lied „Jesu, du bist allzu schöne“
William Lloyd Webber: Missa „Princeps Pacis“ - Gloria
Léon Boëllmann (1862–1897): Aus „Suite gothique“ op. 25 für Orgel: Gebet - Choral - Menuett
William Lloyd Webber: Missa „Princeps Pacis“ - Sanctus, Benedictus

Im Gebet, das Pfarrer J. Kaiser formuliert hat und vortrug, kam er zurück auf die zehn Gebote und im anschließenden - von der versammelten Gemeinde gesprochenen Vater unser - kam die Bitte um Vergebung unserer Schuld zum Ausdruck. Passend dazu sang der Chor zum Ende der Vesper das Agnus Dei aus Missa „Princeps Pacis“.

Der Chor hatte das Privileg, dort, wo sonst der Abendmahlstisch steht, zu sitzen und konnte daher die von der Bautzener Orgelbaufirma Hermann Eule eingebaute Orgel sehen. Sie ist in ihrer barocken Gestaltung eine Kostbarkeit in dem sonst eher schmucklosen Raum. Kostbar im wahrsten Sinne des Wortes war aber auch das Spiel von Kilian Nauhaus.

M.S.

31. Oktober 2019, Gottesdienst zum Reformationstag in der St. Thomas-Kirche, Berlin-Kreuzberg

Am Gedenktag der Reformation wurde der ökumenische Gottesdienst in St. Thomas auf besondere Weise feierlich gestaltet. Es ist eine Tradition in der Gemeinde, anlässlich dieses Tages einen Politiker oder eine andere Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zu einer Kanzelrede einzuladen. In diesem Jahr war es Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt. 502 Jahre nach dem Thesenanschlag und 30 Jahre nach dem Fall der Mauer - was ist heute zu tun? - so lautete das Thema der Feierstunde.

Pfarrerin Friederike von Kirchbach, Pastor Ermano Meichsner und Diakon Reinhard Herbolte von der benachbarten katholischen St. Michael-Gemeinde leiteten die Liturgie. Pfarrerin von Kirchbach erwähnte in ihrem Grußwort, dass in diesem Gottesdienst nicht zuletzt durch den Chor selbst, in dem Mitglieder des Chores von St. Thomas und die Ökumenische Seniorenkantorei gemeinsam sangen, das Miteinander im Glauben seinen deutlichen Ausdruck fand. KMD Konrad Winkler dirigierte den Chor.

"Ich will erheben deinen Ruhm" für Doppelchor von Melchior Vulpius (1612), begleitet an der Orgel von dem jungen Orgelschüler Aaron-Cecil Nowak, war der freudevolle Auftakt zum Gebet.
Während der Feier sang der Chor von Giovanni Giacomo Gastoldi (1550–1622) aus Missa "Ne timeas Maria" Kyrie, Gloria und Credo.

Das Evangelium nach Matthäus 5, 1-10, das die Seligpreisungen zum Inhalt hat, war die Grundlage für die Kanzelrede. Dr. R. Haseloff erinnerte an die Situation im November 1989 in Wittenberg, seinem Wohn- und Arbeitsort. Es waren kleine kirchliche Gruppen, deren Gedankengut eine große Wirkung zeigte bei dem gesellschaftlichen Umbruch. Auch heute sei Resignation nicht die Lösung, sondern die kleiner werdenden Gemeinden sollten sich möglichst als Sauerteig begreifen für zukünftige Veränderungen in Kirche und Gesellschaft.

Nach der Kanzelrede spielten die Organisten Manfred Maibauer und Karl Lahm das Allegro aus Partita F-Dur für zwei Organisten von Joseph Haydn (1732–1809).

Den musikalischen Abschluss bildete der dreistimmige Satz mit Orgel von Paul Becker (1610–1697): "Mein Gott, der du hoch bauest dein wertes Heiligtum". Der Chor wurde jeweils begleitet von Kantor Manfred Maibauer.

Gemeinde und Chor waren nach dem Gottesdienst zum Empfang eingeladen - eine gute Möglichkeit, noch nachzufragen oder einfach zu erzählen. Wer sich die Zeit nahm, die Ausstellung anlässlich 30 Jahre Mauerfall im Kirchenraum anzusehen, konnte sich durch die großen Luftaufnahmen noch einmal den Schmerz und die Schwierigkeiten vergegenwärtigen, die der Bau der Mauer 1961 für diese Gemeinde verursachte, da sie mitten durch ihr Territorium ging.

M.S.

17. November 2019, Hochamt in St. Joseph, Berlin-Wedding

Da die St. Hedwigskathedrale seit September 2018 geschlossen ist, sind das Domkapitel und die Kirchenmusik von St. Hedwig momentan in der Kirche St. Joseph in der Müllerstraße zu Gast. Am 33. Sonntag im Jahreskreis war die Ökumenische Seniorenkantorei Berlin unter Leitung von KMD Konrad Winkler eingeladen, dort das Hochamt musikalisch zu begleiten. Der Chor betrat in St. Joseph kein Neuland, denn 2009, im Jahr des 100-jährigen Bestehens von St. Joseph, hatte er dort mit DKM Michael Witt gesungen. Die neoromanische dreischiffige Basilika hat ein von der Orgelbaufirma W. Eisenbarth 1981 gebautes Instrument, auf dem Domorganist Thomas Sauer den Chor begleitete.

Mit dem Lied "Sonne der Gerechtigkeit" begann der Gottesdienst. Pfarradministrator Msgr. Ulrich Bonin griff den Inhalt des Liedes auf und wies in seinen einleitenden Worten darauf hin, dass dieser Sonntag der 3. Welttag der Armen sei, den Papst Franziskus unter das Motto gestellt hat: "Der Elenden Hoffnung ist nicht für immer verloren". Zugleich wies er auf die Lesetexte der Messe hin, die mit ihren Inhalten eine eher düstere Stimmung vermitteln.

Der Chor sang von William Lloyd Webber (1914–1982) aus der "Missa Princeps Pacis" die Ordinarien Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei;
zwischen den Lesungen von Bernhard Klein (1793–1832): "Auf dich, o Herr, vertrauet meine Seele";
zum Ruf vor dem Evangelium von Philipp Heinrich Erlebach (1657–1714) "Halleluja";
zum Credo, im Wechsel mit der Gemeinde, den Satz von K. Winkler: "Wir glauben Gott im höchsten Thron".
Thomas Sauer intonierte zur Kommunion von Johann Sebastian Bach (1685–1750) den Choralsatz "Wachet auf, ruft uns die Stimme" BWV 645.

In der Exegese zu Lukas 21, 5-19 ermutigte Pfarrer Bonin, bei allen düsteren Zeichen der Zeit wie Krieg und Unruhen, Seuchen und Hunger, Untergang der Reiche und Verfolgungen - Zeichen, die heute wie damals gelten - nicht die Verheißungen zu übersehen: "Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen" (Lk 21,19).
Darüber weiter zu meditieren war gut möglich während des einfühlsamen Orgelnachspiels von Domorganist Sauer, der uns mit der "Fantasie und Fuge in g-moll" von J. S. Bach erfreute.

M.S.