Singen für die Seele

von Walter Plümpe

In der ökumenischen Seniorenkantorei Berlin sind Chorsänger willkommen, die nicht genug von der Musik bekommen können. Obwohl jeder mitmachen darf: Der Anspruch, schön zu singen, besteht nach wie vor.

Harald dirigiert
Kantor Harald Dubrowsky am Piano dirigiert, der Chor singt.
Foto: © Walter Plümpe 2023

Kantor Harald Dubrowsky (74) sitzt am Flügel und läutet seine Glocke. Das Einsingen beginnt: Recken und Strecken, langsames Ausatmen mit F-Stößen, Tonleitern rauf und runter, Dubidu-Zungenbrecher für die Geschmeidigkeit. Jetzt erst schlagen die rund 50 Frauen und Männer der Ökumenischen Seniorenkantorei im Evangelischen Kirchenforum in Berlin-Mitte ihre Noten auf. Geprobt wird die mehrstimmige Komposition „Fürwahr, er trug unsere Krankheit" von Melchior Franck.
„Singt auch den Inhalt des Textes mit!", fordert Dubrowsky. „Es klingt noch etwas zu matt; lebendiger bitte!" Oder: „Da war noch eine Stufe zu hören; ich hätte gern eine Rampe." Geduldig folgen alle den Anweisungen. Schließlich soll die Passionsmusik zum Konzert am 1. April (17 Uhr) in der Kirche Falkensee-Finkenkrug überzeugend klingen. Zwei Stunden später ist die Probe zu Ende. Zum Abschluss wird der Choral „Verleih uns Frieden gnädiglich" von Felix Mendelssohn Bartholdy vierstimmig gesungen.
Die Seniorenkantorei lädt „ältere Semester (50+)" zum Mitsingen ein. Dubrowsky: „Wer Freude am Singen hat, ist bei uns gern gesehen." Die Konfession spielt keine Rolle. Und auch konfessionslose Mitglieder sind dabei. Wer seiner Stimme nicht mehr traut, kann bei einer Probe zuhören oder mitsingen. Einmal monatlich gibt es eine professionelle Stimmbildung. Das Durchschnittsalter liegt bei 77 Jahren. Eine Aufnahmeprüfung oder Vorsingen gibt es nicht; Chorerfahrung ist dennoch gern gesehen.
Eine der begeisterten Choristen ist Heike Schulze (61). Seit über einem halben Jahrhundert ist sie mit Chören verbunden. Sie genießt die Wärme, Herzlichkeit und Wertschätzung in der Kantorei. „Ich brauche das Singen für meine Seele", sagt sie.
Gegründet wurde der Chor 2006 vom 2012 verstorbenen Domkapellmeister Michael Witt. Sein Ziel: Sängern, die die Altersgrenze ihrer Chöre überschritten hatten, eine Weiterführung ihres Chorlebens ermöglichen. Seit Februar 2022 leitet Kantor Harald Dubrowsky den Chor. Träger der Seniorenkantorei sind das katholische Erzbistum Berlin und der evangelische Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte. (wp)

Weitere Termine: 14. Mai, 10 Uhr: Gottesdienst in St. Joseph, Müllerstraße 161 in Berlin-Wedding;
20. August, 10.30 Uhr: Gottesdienst in der evangelischen St. Marienkirche am Berliner Alexanderplatz.

Mehr:
Seniorenkantorei-Berlin.de

Quelle: Tag des Herrn Nr. 8 vom 26.02.2023 Seite 1