
Foto: © Walter Plümpe 2025
VON WALTER PLÜMPE
Berlin. Jeden Mittwochnachmittag kommen 55 Sängerinnen und Sänger im Evangelischen Kirchenforum in der Klosterstraße Berlins zusammen. Ein Drittel von ihnen ist seit der Corona-Epidemie dazugekommen. Seit 17 Monaten leitet er die Ökumenische Seniorenkantorei Berlin (ÖSK). Unter Möllers Leitung proben die Chorerfahrenen für einen Gottesdienst, an dem sie sich einmal monatlich in einer evangelischen oder katholischen Gemeinde beteiligen. Ein strammes Programm für den Chor, dessen Durchschnittsalter bei 77 Jahren liegt.
Der Ursprung für Möllers Leidenschaft für die Ökumene und die Kirchenmusik liegt in seiner Jugend, die er in Bronnzell im Kreis Fulda verbracht hat.
Als viertes Kind eines Dorfschulleiters erhielt er schon früh Klavierunterricht. Selbstverständlich vertrat er bald seinen Vater an der Orgel.
Als er 1973 nach West-Berlin umzog, begann für den 19-Jährigen eine Ausbildung am ökumenischen C-Seminar der Berliner Kirchenmusikschule. Nebenbei war er Kirchenmusiker an St. Wilhelm in Berlin-Spandau.
Der Katholik studierte Kirchenmusik an der Bischöflichen Kirchenmusikschule und später noch Schulmusik an der Universität der Künste. Er arbeitete als Kirchenmusiker in der Katholischen Kirchengemeinde Mater Dolorosa in Berlin-Lankwitz, sang ehrenamtlich im Staats- und Domchor.
Ab 1983 bis zu seinem Ruhestand war er Kirchenmusiker der Gemeinde Heilig Geist in Berlin-Charlottenburg, zehn Jahre zusätzlich Musiklehrer an der katholischen Oberschule Liebfrauen.
Möller engagierte sich in unterschiedlichen Gremien, zum Beispiel als Mitglied im Sprecherrat der Kirchenmusiker des Erzbistums Berlin und seit 2012 als Mitglied der Kirchenmusikkommission im Erzbistum Berlin.
Lebensbegleiter Kirchenmusik
„Jetzt bin ich mit meinen Chören alt geworden und fühle mich wohl im Kreis von Gleichaltrigen“, sagt Möller. Er genießt die professionelle Einstellung der Ökumenischen Seniorenkantorei Berlin und das hohe Niveau der Proben. „Hier ist Gemeinschaft erlebbar. In der gemeinsamen sonntäglichen Liturgie dann vollzieht sich das Heilshandeln Gottes an den in der Gemeinde versammelten Gläubigen. Dafür preist und dankt sie Gott." Das gelingt in seinen Augen mit Vokalmusik besonders gut. Musica Sacra, religiöse Musik also, schätzt er wegen des Bezugs zu Texten der Heiligen Schrift und zum Kirchenjahr. Jede Begleitung eines Gottesdienstes ist für ihn ökumenisch, mit dem Empfang des Abendmahls oder der Kommunion verbunden.
Kirchenmusik als verbindendes Element zwischen den christlichen Konfessionen, als konkreter Ausdruck versöhnter Verschiedenheit: Das reizt ihn seit Jahrzehnten. „Es kann gar nicht genug Austausch und Gespräch geben", sagt er. Der Blick über den eigenen konfessionellen Zaun ist wichtiger denn je.
Die Ökumenische Seniorenkantorei Berlin dirigiert Möller mittwochs von 15 Uhr bis 17 Uhr im Evangelischen Kirchenforum neben der Parochialkirche, Klosterstraße 66 in Berlin-Mitte. Zum Chorprogramm gehören auch die jährliche Chorreise - dieses Jahr nach Hildesheim - ein Sommerfest und eine Adventsfeier. Bei einer Probe zuhören und mitsingen ist kein Problem. Notenkenntnisse oder Chorerfahrung sind jedoch gewünscht, um das hohe Niveau der ÖSK zu erhalten. Darum gibt es monatlich eine professionelle Stimmbildung.
Weitere Informationen unter
www.seniorenkantorei-berlin.de
Quelle: Dieser Artikel erschien in: die Kirche Nr. 7 vom 9. Februar 2025.